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Von nassem Asphalt zu Quarz: grau ist die Farbe der Saison

Im Folgenden wird eine begeisterte Lobrede der Journalistin Luisa Espanet auf die Farbe Grau wiedergegeben.

Unser Grauer Trachyt, begleitet vom Granit, dankt für die Aufmerksamkeit und kommt nur zu gern der Aufforderung nach, all jenen städtischen Plätzen zu neuen Glanz zu verhelfen, "in denen die Farbe-Nichtfarbe im Zentrum des Geschehens steht".

Wir danken der Tageszeitung Libero, in der dieser Artikel erschienen ist, für die freundliche Genehmigung zum Abdruck.

Luisa EspanetVielleicht kann man einen verregneten oder nebligen Tag noch grau nennen, einen Tag, an dem die Luftfeuchtigkeit in einem tristen Großstadtvorort oder an der rauen und düsteren Atlantikküste auf 75 % steigt. Aber man darf nicht einmal mehr die schäbigste und unpersönlichste Einrichtung grau nennen. Vor allem aber darf man nicht mehr von einem grauen Menschen sprechen, wenn man einen tristen, trüben Konformisten bezeichnen will, der dazu tendiert, spurlos in der Menge zu verschwinden.

Grau mit seiner negativen Färbung ist als Wort überholt, veraltet, verstaubt. Vielleicht dank der neuen metallischen Farbnuancen, vielleicht auch dank des breiten Einsatzes in der Technik und in edelstem und modernstem Design steht Grau zur Zeit glänzend da. Auch in der Mode.

Für Armani ist es die Farbe der aktuellen Saison, in allen Schattierungen, „von nassem Asphalt zu Quarz“ und sicherlich über „Greige“, diese Mischung aus Grau und Beige, die der Modeschöpfer in den Achtziger Jahren kreiert hat. Auch Yves Saint Laurent hat für die Damenmode auf Grau gesetzt, für seine mit Röhrenhosen kombinierten Tuniken aus Wollstoff mit leichtem Suffragetten-Flair und für seine fließenden Kreationen aus Seidenvoile, die mit Caprihosen eine verführerische Abendtoilette schaffen. Für den Herrn ist Grau der Hit.

Grau ist auch stark vertreten bei Ermenegildo Zegna und Loro Piana für Seide und Kaschmir. Trendsetter das graue Hemd, dazu bestimmt, das schwarze, ein wenig inflationäre Hemd zu ersetzen. Die Brook Brothers haben den Anzug Fitzgerald in hellem Anthrazit präsentiert. Fitzgerald hat nichts mit dem Schriftsteller zu tun, sondern bezieht sich auf den Namen von John Kennedy, der sich mit Vorliebe in Grau kleidete, wie die Kinostars Cary Grant und später Sean Connery. Grau herrscht auf den Laufstegen der Herrenmode für die nächste Wintersaison. Rocco Barocco zeigt Grau in allen Nuancen. Für Jacken und ungefütterte Mäntel wie auch für seine mit Fischotterkrägen veredelten Cardigans. „Industrielles“ Grau taucht in der „modernistischen“ Kollektion von Missoni auf. Unmöglich, von der „Souveränität des Graus“ zu sprechen, ohne an die Gemälde von Tamara De Lempicka zu denken, deren Ausstellung im Palazzo Reale in Mailand so erfolgreich ist, dass sie um einen Monat verlängert wurde. Ihre Frauen und die seltenen Männer sind oft in Grau gekleidet. In ihren Gemälden finden sich viele graue Schatten. Eine Leidenschaft für das Grau, die in der Darstellung ihres Ateliers kulminiert, in der die Farbe-Nichtfarbe das tragende Element der Szenerie darstellt.

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